Jurybegründung für die Preisträgerarbeit „Rettet die Realität! Integrationshilfen für die digitale Evolution“ von Kathrin Lang, Nina Wolf und Wolfgang Rößler, Hochschule Coburg
Wir haben eine theoretische Arbeit ausgezeichnet. Immer noch halte ich das für eine mutige Angelegenheit, weil ja im Großen und Ganzen Design als Lehre von der Gestaltung verstanden wird. Und man kann ja eigentlich nicht theoretisch gestalten. Insofern bin ich umso verblüffter, weil ich denke, das ist die klügste Diplomarbeit, die ich jemals in den Händen gehabt habe. Einen so intelligenten Umgang mit Produkt-kritik, mit Produktentwicklung, mit aktuellen Strukturen, mit neuen Technologien, habe ich noch nicht gesehen und – verstanden. Intuitiv verstanden!
Drei Magazine mit den Titeln A- Aufzeigen, B- Anpassen, C- Neu entstehen, erläutern eindrucksvoll den Stand der Dinge, die Entwicklung der Dinge und die Veränderung der Dinge. Wie sie sind, wie sie sein könnten und wie sie werden könnten und wie sie verschwinden. Design ist ja vor allem die Lehre vom Umgang mit Dingen und Strukturen. Und Designer sind ja dafür verantwortlich, dass die Dinge, die wir erfinden, uns nicht zur Last fallen, sondern eben hilfreiche Prothesen sind.
Es gibt eine ganze Reihe von Gegenständen, die uns lieb und teuer geworden sind und die unser kulturelles Erbe ausmachen. Nicht nur Bücher. Die werden auch nicht verschwinden. Aber es werden möglicherweise weniger. Und was machen wir dann mit dem leeren Platz im Bücherregal? Was machen wir, damit die guten alten Taschenrechner nicht vergessen werden? Es gibt viele Dinge, die sollten einfach nicht verloren gehen. Diese Diplomarbeit zeigt Wege aus der Krise ums Verschwinden der Dinge.
Professor Wolfgang Laubersheimer
Professor für Produktionstechnologie, Köln International School of Design