Richard Sapper (1932 – 2015) – Garant für Designklassiker

26.01.2016 / Redaktion

Einen Sapper hat fast jeder, und doch wissen es nur die wenigsten. Sind die „Eames Chairs“ allseits bekannt, würden doch eher wenige unter der „Sapper Leuchte“ sofort „Tizio“, den Halogenklassiker von Artemide, vermuten. Dabei gestaltete der Designer eine Vielzahl von Alltagsgegenständen, die heute als Designklassiker gelten. Darunter das IBM Think Pad mit dem roten Punkt in der Tastatur, der Wasserkocher „Bollitore“ von Alessi, der ein melodisches B und E pfeift oder eben die „Tizio“ Stehleuchte mit Halogen von Artemide.

Nun ist der geniale Industriedesigner, der technische Innovation ebenso beherrschte wie formale Extravaganz, am 31. Dezember 2015 mit 83 Jahren verstorben. stilwerk und die Raymond Loewy Foundation, die Sapper bereits 1992 für sein Werk mit dem Lucky Strike Designer Award auszeichnete, bedauert diesen Verlust.

Der in München geborene Sapper war Autodidakt. Nach dem Studium der Philosophie, Betriebswirtschaft und des Maschinenbaus begann er seine Karriere als Designer bei Daimler Benz.

Ende der 50er Jahre siedelte er nach Mailand über, wo er bis zum Schluss lebte. Nach kurzer Mitarbeit im Atelier von Giò Ponti entwickelte Sapper gemeinsam mit dem Italiener Marco Zanuso eine Vielzahl technischer Geräte für die Firma Brionvega. Darunter Designikonen wie das Klappradio „TS 502“ oder das tragbare Fernsehgerät „Doney 14“. Mit dem schwarzen Würfel-TV „black“ führte er erstmals schwarz als Farbe in die Unterhaltungselektronik ein, und schuf einen monolithischen Kubus, der sich nur im eingeschalteten Zustand mit flimmernder Mattscheibe als TV Gerät zu erkennen gab.

Marken wie Alessi, Kartell, B&B Italia, Walter Knoll oder IBM, wo er zeitlebens beratend tätig war, engagierten Sapper regelmäßig. Ob Espressomaschine, Telefonzelle, Stuhl oder Käsereibe – seine Vielfältigkeit und die Qualität jedes einzelnen Werkes sind bemerkenswert. Nicht umsonst haben es eine Reihe dieser in die ständigen Sammlungen des Museum of Modern Art in New York oder des Victoria and Albert Museum in London geschafft. 2012 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk.

Richard Sapper wollte mit seinen Designs nicht dekorieren, sondern das tägliche Leben verändern. Auf der Suche nach der perfekten Form für innen und außen, gestaltete er Objekte, die neue Lösungen anboten und den Alltag erleichterten. Nachhaltiges Design mit neuen Standards, das heute wie damals funktioniert. Sapper hinterlässt ein großes Erbe mit dem er gezeigt hat, dass Design tiefer geht als reine Formvollendung und nachhaltig den Alltag prägen kann.


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