
Am Abend des Lucky Strike Junior Designer Award 2010 führte Karin Schlömer aus dem Vorstand der Stiftung mit Prof. Johann Tomforde dieses kurze Bühneninterview zum Wettbewerb.
Schlömer: Wurde der Jury-Einsatz durch Qualität belohnt?
Tomforde: Etwa ein Drittel der Einsendungen bewegen sich auf einem internationalem, sehr hohen Niveau. Etwa ein zweites Drittel ist gutes Design, aber nicht in allen Kriterien gut genug für die Spitze. Im letzten Drittel finden wir Abschlussarbeiten, die mehrere Anforderungen unserer Ausschreibung nicht erfüllen. Wobei das Niveau in den letzten Jahren insgesamt gestiegen ist.
Schlömer: Wo steht die Designausbildung in Deutschland im internationalen Vergleich?
Tomforde: Nun in punkto Quantität der Studienplätze aber auch den Ausstattungen der Designhochschulen mit Studio-Equipment und Professoren können wir mit den asiatischen Regionen nicht mehr mithalten. Das konnte ich kürzlich sowohl in Hongkong, Taipeh, Seoul und in Singapur feststellen. Vor allem aber der innere Antrieb, die Motivation und der Erfolgswille des jungen asiatischen Designer-Nachwuchses ist enorm. Noch wird dem deutschen Design höchster Respekt entgegen gebracht, vor allem bei den Premiummarken und komplexen Produkten, wo neueste Fertigungstechnologien und Nachhaltigkeit integraler Bestandteil sind. Aber wir dürfen nicht nachlassen!
Schlömer: Die Raymond Loewy Foundation fördert seit 19 Jahren junge Designer. Welche Entwicklungen hat die RLF mitgeprägt?
Tomforde: Ich denke durch unsere immer höher gelegte Messlatte für auszeichnungswürdige Abschlussarbeiten hat der Lucky Strike Junior Designer Award dazu beigetragen, dass Design herauskommt aus der künstlerischen und stilistischen Ecke im Meinungsbild der Bevölkerung. Design ist eine der wichtigsten Disziplinen im Entstehungsprozess für Produkte und Dienstleistungen geworden! Die Berichterstattungen über die hohe Qualität des Lucky Strike Designer Award und des Lucky Strike Junior Designer Award haben ihren Niederschlag gefunden in der Bewertung einzigartigen Designs. Momentan sind wir gerade dabei, unsere Erfahrungen und die Ergebnisse unseres international anerkannten Wettbewerbs in einer Art Hochschulranking zu veröffentlichen. Damit entsteht für angehende Designstudenten und für spätere Arbeitgeber eine Orientierung mit einer nie dagewesenen Aussagekraft.
Schlömer: Warum ist Öffentlichkeit für Design so wichtig?
Tomforde: Die Qualität des Designs und der Ästhetik kann man nicht rational begründen. Eben deshalb braucht die Öffentlichkeit bei diesem emotionalen Thema fachliche Orientierung, von Experten kommentierte Designwettbewerbe und mehr Präsenz in den Medien! Auch aus diesen Gründen hat die RLF begonnen, in einem Blog Statements unserer Jury, des Kuratoriums und der Preisträger zu veröffentlichen, um die Diskussion über Design auf ein breiteres Fundament zu stellen, als nur in Insider-Magazinen zu publizieren.
Schlömer: Welche Funktion hat in diesem Zusammenhang der Lucky Strike Junior Designer Award?
Tomforde: Der LSJDA ist die anerkannte internationale Messlatte für Kreativität und nachhaltige Qualität beim Designernachwuchs. Dieser Wettbewerb ist Ansporn für Diplomanden, Bachelor- und Master-Thesis-Kandidaten, sich anzustrengen, in die Spitzengruppe des LSJDA zu kommen. Für damit ausgezeichnete Preisträger und die Belobigten ist es ein Türöffner bei Bewerbungen und Einstellungsgesprächen. Und mittlerweile ein übergreifendes Netzwerk von Spitzen Nachwuchs Designern, die sich gerne bei solchen Preisverleihungen alljährlich hier in Hamburg treffen.



